Die langen Abende sind da, die Ferienzeit mit ihrem erhöhten Verkehrsaufkommen steht vor der Tür. Keine gute Zeit für die nachtaktiven Wildkatzen, denn die Jungtiere von diesem Jahr suchen jetzt erstmalig nach einem eigenen Revier. Unerfahrene Tiere werden erfahrungsgemäß dabei oftmals überfahren. So kommt es, dass gerade die jungen, geschlechtsreifen Tiere der weiteren Entwicklung der Population nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Anzahl der europäischen Wildkatze kann sich somit nicht in dem Maße vergrößern, wie die vielfältig getroffenen Schutzmaßnahmen es theoretisch ermöglichen würden. Auch bei uns im Naturpark könnte die Zahl viel größer sein, aber wir sind zunächst sehr froh darüber, dass die Wildkatzenvorkommen Aufwind bekommen haben. Denn zumindest in Lippe galt die Wildkatze aufgrund von jahrhundertelanger Bejagung um 1890 als komplett ausgerottet. Ende des letzten Jahrhunderts ist sie quasi heimlich zurückgekehrt und konnte in unserem Naturpark bereits in Teilen des Teutoburger Waldes, der Egge und dem Schwalenberger Wald nachgewiesen werden.

Schutzmaßnahmen für die Wildkatze -sie ist Wildtier des Jahres- bestehen vor allem in der Erhaltung und Schaffung von zusammenhängenden, großflächigen Waldgebieten und entsprechenden Wanderkorridoren sowie in der Schaffung von wildkatzengeeigneten Leiteinrichtungen an Straßen. So profitieren Wildkatzen auch von der 2013 eröffneten, 50m breiten Grünbrücke über die vielbefahrene B64 bei Buke. Während tagsüber bis zu 13.000 Fahrzeuge unter der Brücke hindurch rauschen, herrscht darüber paradiesische Stille für das Wild. Ein knapp 3m hoher blickdichter Holzzaun leitet die Tiere trichterförmig auf die Brücke und ermöglicht so einen Genaustausch der Populationen beiderseits der Bundesstraße. Die auf der Brücke installierte Wildkamera fotografiert die Besucher und wird regelmäßig ausgewertet, so dass zumindest auch eine Grobeinschätzung bezüglich der Brückennutzung durch Wildkatzen möglich ist.

Falls Sie einen Wildunfall mit einer Wildkatze haben, melden Sie diesen bitte bei der zuständigen Forstverwaltung. Ansonsten wünschen wir eine gute und vorsichtige Fahrt!