Inge Paare-Renkhoff und das Schloss Gehrden

Apostellinde in Gehrden
Klosterkirche in Gehrden
Naturparkbotschafterin Teutoburger Wald am Schloss Gehrden

Entspannt schiebt sich Inge Paare-Renkhoff in ihrem Rollstuhl die Rampe zum Schloss Gehrden empor. Kurz vor dem Gebäude öffnen sich die Türen automatisch und ein wissendes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Sie weiß, im Schloss Gehrden ist alles an den Bedürfnissen mobilitätsbehinderter Menschen ausgerichtet. Kein Wunder, dass Schloss Gehrden und die Umgebung mit Park, Kirche und Dorf der Lieblingsort von Inge Paare-Renkhoff im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge geworden ist, denn hier sind die alltäglichen Handicaps für Rollstuhlfahrer minimiert worden.

Die engagierte Frau für die Sache der Körperbehinderten weiß, wovon sie redet: „In meinem ‚Rolli’ kann ich mich hier sehr frei bewegen. Der Schlosspark mit der „Zwölf-Apostel-Linde“ ist im Sommer sehr schön, und hinüber zur alten Kirche zu kommen, ist auch kein Problem. Ich kann das hier richtig genießen. Und dann gibt es ja noch den barrierefreien Wanderweg, der vom Naturpark ausgeschildert worden ist. Die Tafeln, die auf viel Wissenswertes hinweisen, sind durch die Brailleschrift auch für Sehbehinderte geeignet.“

Aber was macht diesen Ort so einzigartig für die Leiterin der Kontaktstelle Höxter des Bundesverbands Selbsthilfe Körperbehinderter? „Da ist zum einen die erhabene Ausstrahlung der Schlossgebäude und der benachbarten Kirche. Das alles war vor zwei Jahrhunderten noch ein geschlossener Klosterbezirk. Und zum anderen empfinde ich hier eine Ruhe, die Teil der Landschaft zu sein scheint“, verweist Inge Paare-Renkhoff auf die besondere Geschichte und die Lage des Ortes – umsäumt von Wald, Wiesen und Feldern.

Bereits 1142 erbauten die Benediktinerinnen das Kloster in Gehrden. Sie wussten um die heilenden Kräfte vieler Pflanzen und bearbeiteten Teile des weitläufigen Klostergeländes als Kräuter- und Nutzgarten. In dem heutigen Park steht ein besonders Naturdenkmal: Die „Zwölf-Apostel-Linde“. Vor rund 500 Jahren sollen die Nonnen des Klosters zwölf Linden – für jeden Apostel einen – in so engem Abstand gepflanzt haben, dass sie im Laufe der Zeit zu einem imposanten Baum mit heute fast 10 m Stammumfang zusammenwuchsen.

Die Klosterkirche von 1180 hat ihren romanischen Charakter bis heute bewahrt und ist das einzige Klostergebäude, das in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist. Im Innern dominiert die barocke Ausstattung und in ihrem Turm schlägt das größte historische Glockengeläut Westfalens.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1810 aufgelöst. Der neue Besitzer, Graf Bocholtz-Asseburg, ließ die Klostergebäude teilweise abreißen und baute den Besitz zu einem Schloss aus. Seit 1965 ist es im Besitz des Erzbistums Paderborn als Familienerholungswerk.

In ihrem Rollstuhl fährt Inge Paare-Renkhoff durch die Anlage. Der „Rolli“, wie sie ihre „Mobilitätshilfe“ liebevoll nennt, ersetzt ihr die Füße. „Verlässlichkeit ist für Körperbehinderte sehr wichtig! Wenn in einem Info-Blatt ein Haus oder ein Weg als barrierefrei beschrieben ist, dürfen dort auch keine Hindernisse wie z.B. Stufen, Gräben oder starke Steigungen sein. Ohne Begleitung sind das für mich sonst unüberwindbare Hindernisse und können zu einem richtigen Problem werden“, betont sie aus ihrer Erfahrung mit Nachdruck den Wert einer realitätsgetreuen Information. Und ein weiteres liegt ihr am Herzen: „Mit dem demografischen Wandel unserer Gesellschaft wird es immer mehr Menschen geben, die von Mobilitätseinschränkungen betroffen sind. Die sind deswegen nicht krank, können aber wegen der alltäglichen Hindernisse nicht voll am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Teilhabe in Selbstbestimmung ist aber ganz wichtig. Deshalb sollte heute schon bei allen Planungen immer Barrierefreiheit mitbedacht werden.“

Vom Schlossbereich führt der barrierefreie Wanderweg parallel zu zwei Fließgewässern durch das Dorf mit seinen alten Fachwerkhäusern. Das Ziel von Inge Paare-Renkhoff ist ein Ruhepunkt zwischen Wiesen und Feldern direkt am Ufer des naturnahen und fischreichen Bachs „Öse“. „Wenn man genau schaut, ist an diesem Punkt richtig viel Leben. Hier sehe ich immer interessante Pflanzen und viele kleinere Tiere. Und die Landschaft – das ist schon toll!“